Achim Warmbold

tl011Achim Warmbold gehörte zu den renommierten Beifahrern Deutschlands, lange bevor er den „heißen Sitz“ mit dem Sitz hinter dem Lenkrad vertauschte. Dieser Wechsel vollzog sich eher zufällig: Die Rallyefahrerin Heidi Fuchs überlies Achim 1969 für einige Prüfungen „probehalber“ das Steuer ihres BMW und als der smarte Duisburger schneller war als der längst etablierte Helle Bein, hatte die Rallyewelt eine große Entdeckung gemacht.

Achim Warmbold fuhr zunächst für Opel. 1971 gewann Achim Warmbold im Alleingang die Deutsche Rallyemeisterschaft. 1972 gelang auf dem BMW 2002 (Gr.2) der Durchbruch zur internationalen Elite: Als Teamgefährte des Schweden Björn Waldegaard verbuchte Achim einen Sieg in der Rallye Portugal und einen dritten Platz bei der Akropolis. 1973 gewann er die Polen-Rallye und die österreichische Alpenfahrt.

Bereits in dieser frühen BMW-Zeit verstand es Achim Warmbold meisterlich, das Rallyefahren am Limit durch ein perfektioniertes Aufschreib-System zu erleichtern. Er erweiterte das Vokabular um zusätzliche Kürzel, die auch den Kurvenverlauf und die mögliche Geschwindigkeit signalisierten. Seine Cockpit-Sprache war und ist Englisch eine internationale und knappe Sprache, die es erlaubte, Beifahrer wie Jean Todt oder John Davenport zu verpflichten.

Während des Trainings zur Safari-Rallye passierte bei einem Ausweichmanöver ein tragischer Unfall. Achim wurde schwer verletzt und BMW beschloss unter dem Eindruck der Energiekrise den Rückzug vom Rallyesport. Warmbold, der kurz zuvor ein Fiat Angebot abgelehnt hatte, stand auf der Straße. Er fand Arbeit bei Renault und war bei der Monte 1975 der erste Nicht-Franzose auf einem Werks-Alpine. 1976 wechselte er zu Toyota und bewegte fortan die rot-weißen Flundern aus dem Land der aufgehenden Sonne in aller Welt. Insbesondere exotische Marathon-Rallyes reizten Achim, denn hier hatte er Gelegenheit, die ganze Welt kennenzulernen. Bis heute blieb er den Japanern treu.

Christian Geistdörfer war der erste Beifahrer, der es eine ganze Saison bei dem Exzentriker ausgehalten hatte. C.G.: „ Ich war der erste, der nicht bei Ihm rausgeflogen ist”.

Auch hatte das Jahr, das Christian Geistdörfer mit Achim Warmbold gefahren war, Auswirkungen auf die Teamarbeit mit Walter Röhrl. War doch Achim Warmbold oberpenibel in Bezug auf den „Schrieb“. Leichte Kurven, exakte Angaben zur Strecke, all dies wurde exakt in das Gebetsbuch eingetragen.

Christian Geistdörfer traf 1988 noch einmal in seiner Karriere auf Achim Warmbold, als Teamchef bei Mazda. Mehr dazu aber bei Partnerschaft mit Hannu Mikkola.

Hannu Mikkola bei Mazda(1988-1989)

Als Walter Röhrl seine Rallye-Karriere ausklingen lies und mit Audi in die USA auf die Rundstrecke wechselte, stieg Christian Geistdörfer zu dem Finnen Hannu Mikkola in den Mazda 323. – Wie lebt Christian Geistdörfer nach 10 Jahren neben einem „Genie“ mit einem anderen großem Rallyefahrer? „Prima“, sagt Geistdörfer, „der Hannu ist ein echter Gentleman, da gibt’s keine Probleme“ – doch von einem Vergleich mit dem unvergleichlichem Walter Röhrl will er nichts hören. Das sei etwas ganz anderes, meint der Münchner, “mit dem Walter war ich 300 Tage im Jahr zusammen, den kenn‘ ich besser als meine Frau“. Das er das Gebetbuch, den Streckenplan, statt auf bayerisch jetzt auf englisch aufsagen muß, ist eh‘ kein Problem für den cleveren Münchner.

Leider entwickelte sich aber der Wechsel zu Mazda als Alptraum für Christian Geistdörfer. Er traf zwar wieder auf seinen alten Weggefährten, Achim Warmbold, diesmal als Teamchef. Das Gastspiel bei Mazda war ein Reinfall. Das Team stand stark unter Druck, aber mit dem Auto war kein Blumentopf zu gewinnen. Und die Zusammenarbeit mit den Japanern entwickelte sich zum Alptraum. Irgendwann hatte Christian Geistdörfer die Nase voll. Nach der 1000-Seen-Rallye 1989 warf er, nach einer letzten Aussprache mit seinem Teamchef, das Handtuch. Durch die dauernden Querelen hatte er den Spaß am Rallyefahren verloren. „Ich bin nicht bereit, weiter so amateurhaft zu arbeiten“, machte er seinem Ärger Luft. „Von mir verlangt man 100 % Leistung, und wenn die anderen auch nicht bereit sind diese Leistung zu bringen, dann macht das wirklich keinen Sinn.“

Hannu Mikkola ist generell als der erfolgreichste Fahrer in der Geschichte des Internationalen Rallye Sport bekannt. Mit 19 gewonnenen Weltmeisterschaftsläufen ist er rekordverdächtig. Der „fliegende Finne” hat ein viertel Jahrhundert hinter dem Steuer aller Top-Hersteller verbracht.

1990 Rückfall – Kurzes Gastspiel bei Sepp Haider

Obwohl Christian Geistdörfer mit dem Kapitel Rallye abgeschlossen hatte setzte er sich 1990 noch einmal auf den Beifahrersitz. Nicht als Rückfall, sondern mehr als Freundschaftsdienst war es zu verstehen, das er sich zu Sepp Haider in den Opel Kadett GSi setzte. Nach dem tragischen Tod von Ferdi Hinterleitner stand der Opel Pilot ohne Beifahrer da, und nur deshalb hatte CG noch mal seinen Helm vom Speicher geholt. „Der Sepp hat keinen anderen gefunden, da hab ich halt zugesagt“. Einige Läufe zur Deutschen Meisterschaft bestritten die beiden. Die Gage von Christian Geistdörfer ging an ein Kinderkrankenhaus in Rumänien.